14. BALTIC VALUATION CONFERENCE

am 15.09.2006 in St.Petersburg

Sankt Petersburg, die zweitgrößte Stadt der Russischen Föderation hat rund fünf Millionen Einwohner und quirlt vor lauter Aktivität und Leben. Die Preise für Immobilien steigen in rasendem Tempo und das Bauhandwerk ist überall deutlich sichtbar in einer optimalen Auftragssituation. In der Innenstadt konnten die wesentlichen Baudenkmale in guter Instandhaltung aus der Sowjetzeit übernommen werden. Jetzt geht es an die zweite Runde, auch den übrigen Baubestand in Ordnung zu bringen. Ein Problem ist der Stoßverkehr in jeweils zwei Stunden am Vormittag und am späten Nachmittag. Man hat dann das Gefühl, es geht nichts mehr. Aber wie durch ein Wunder lösen sich die Verkehrsknäuels immer wieder auf.

 

Zur diesjährigen Konferenz

der Wertermittlungssachverständigen der Ostsee-Anrainer-Staaten hatten uns die Kollegen vom Russischen Sachverständigenverband RSA eingeladen. Gut bekannt aus vorangegangenen Konferenzen ist ihr stellvertretender Vorsitzender Igor Artemenkov, der die diesmal über 100 Teilnehmer im neugebauten NOVOTEL in der St.Petersburger Innenstadt begrüßte. Aktiv dabei war die Vorsitzende, Frau Svetlana Tabakova und weitere Vorstandsmitglieder, interessierte Kollegen, sowie die für die Organisation der Konferenz und des Beiprogramms zuständige Veronica Maliguna. (Hervorragend hat sie das gemacht.)

Teilgenommen haben führende Vertreter der Sachverständigenverbände aus Norwegen, Schweden, Finnland, Litauen, Lettland, Estland und diesmal auch wieder aus Dänemark. Gäste waren gekommen aus der Ukraine und aus Bulgarien. Für die deutschen Sachverständigen waren dabei für den VBD Uwe Tychsen und für den BVS Roland Vogel aus Berlin.

Neben dem angezeigten Hauptthema: „Gegenwärtiger Stand der professionellen Wertermittlung in Europa“ beschäftigt die russischen Kollegen sehr ihr neues Wertermittlungsgesetz. Die Urfassung stammt von 1998. Jetzt  ist eine Änderung nach den gesetzgebenden Beschlüssen mit Unterschrift Präsident Putins am 27.07.2006 in Kraft getreten ( http://mrsa.valuer.ru/default_e.asp ). Reizpunkte sind die Regelung der Sachverständigenhaftung und die evtl. Deckung durch einen Ausgleichsfond, in den die Sachverständigen neben ihrem Mitgliedsbeitrag einzahlen sollen.

Der RSA ist der größte Berufsverband von Wertermittlungssachverständigen und hat 3.800 autorisierte Mitglieder. In Russland ist immer noch im Regelfall der Staat der Landeigentümer und wird es nach Ansicht unserer Kollegen auf lange Zeit auch bleiben.

 

Den Inhalt der Vorträge aus den übrigen Staaten kann ich nur streifen:

In Estland hat der Verband der Wertermittlungssachverständigen EKHÜ zusammen mit dem Bankenverband und IHK die Aufgabe, die Wertermittler zu autorisieren. Es gibt 78 Sachverständige in Estland. Ursprünglich wurden die internationalen Standards des IVS benutzt. Seit 2005 hat Estland mit EVS-875 seine eigene Wertermittlungsnorm, die zur Zeit einer aktiven Prüfung unterzogen wird.

In Litauen gibt es inzwischen 222 Wertermittler, die mit 156 beim LTVA organisiert und im übrigen im staatlichen Vermessungswesen tätig sind. Eine laufende riesengroße Aufgabe ist die flächendeckende Bewertung für steuerliche Zwecke aufgrund des Gesetzes über die Erhebung der Grundsteuer von 2005. Es ist nur der Boden zu besteuern, Der Steuersatz beträgt 1% vom Verkehrswert und fließt den Gemeinden zu.

In der Ukraine gibt es einen Verband der Wertermittlungssachverständigen mit 6500 autorisierten Mitgliedern. Vorsitzender ist Sergej Pusenko aus Kiew. Ausländische Investoren ( wie z.B. aus Deutschland ) erwarten nach den deutschen Zertifikationsregeln erstellte Gutachten.

In Schweden sind die Wertermittler in einer Sektion des Verbandes der Schwedischen Grundstücks-Ökonomen SSF:v organisiert. Es gibt 220 vom Verband autorisierte Kollegen. Ein Wertermittler darf nicht als Makler tätig sein. Es gibt eine schwedische Bewertungstradition, aber abgesehen von der Steuergesetzgebung für die Wertermittlung keine gesetzlichen Regelungen. Der Anteil der ausländischen Investoren (DK, NO, UK) im schwedischen Immobilienmarkt nimmt zu, und lag im vergangenen Jahr bei rund 50%. Im Vergleich der Transparenz des Immobilienmarktes gehört Schweden seit 2005 zu den Allerbesten in Europa. Die Liegenschaftszinsen sind in den letzten zwei Jahren um rund 1,4% gefallen und liegen damit im europäischen Mittelfeld..

In Finnland gibt es 40 in Vollzeit für die Wertermittlung kommerzieller Immobilien tätige Sachverständige in den größeren Städten und im übrigen über tausend Personen, die hauptsächlich als Makler in der Wertermittlung tätig sind. Fünfzig davon sind autorisiert, zusammen sind etwa 160 autorisierte Wertermittler in Finnland tätig. Der Verband der finnischen Wertermittler SKAY wurde 1978 gegründet. Bei der IHK wurde 2004 ein Wertermittler-Vorstand eingerichtet, der für die Autorisation der Sachverständigen zuständig ist. Die finnischen Kollegen freuen sich sehr, dass bei Ihnen auch der Euro eingeführt worden ist. Englisch ist wichtig. Die Hälfte aller Investoren kommt aus dem Ausland. In Finnland achtet man sehr auf die Wünsche der Auftraggeber. Sachverständige beachten zu wenig die neue Arbeits- und Denkweise (internationaler) Investoren. Kurse zur Fortbildung sind notwendig. Für die Ausbildung der Wertermittler gibt es einen eigenen Lehrstuhl an der Techn. Universität Helsinki TKK. Inhaber ist Professor Kauko Viitanen. Er hat jetzt zur 15.BALTIC VALUATION CONFERENCE vom 06.bis 09.September 2007 nach Helsinki eingeladen. Thema: Enteignung und Entschädigung durch Übernahme oder Abgabe von Landflächen. Prof. Viitanen möchte die Veranstaltung mit dem gleichzeitig stattfindenden Treffen der FIG (dem internationalen Verband der Vermessungsingenieure) & der FAO verbinden, um eine verbreiterte Resonanz für die BVC2007 zu erreichen. Auch für 2008 ist schon vorgesorgt, dann möchte gern die LTVA Gastgeber für die nächste Konferenz sein.

 

29-09-2006

Uwe Tychsen

 

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